Projekte
Marschenprojekte 1:
ein programmatisches Sommerfest in der „Zone der Verwandlung“
Mit einem Fest am 22. August feiert die residency oesterfeld04 gemeinsam mit dem Verein Marschenprojekte e.V. den Beginn ihrer vielversprechenden Kooperation. Seit dem Juli 2026 ist der Verein als gemeinnützig anerkannt und kann Projektmittel beantragen: für künstlerische Arbeit und Forschung, die hier ihren Ausgangspunkt nehmen und deren Ergebnisse hier in verschiedenen Formaten einem gemischten Publikum präsentiert werden sollen.
Das Fest versteht sich als ein erstes gemeinsames Projekt von Verein und residency: es werden verschiedene künstlerische Arbeiten gezeigt, die thematisch einen Raum für künftige Projekte eröffnen und zugleich bei den programmatischen Projekten anknüpfen, die seit 2024 in der residency bereits stattgefunden haben. Das Fest dient auch dem Austausch und der Vernetzung: es werden Menschen aus sehr unterschiedlichen Kontexten begrüßt, Künstlerinnen, Expertinnen und Kunst-Interessierte aller Generationen und Herkünfte, aus der Region, aus Hamburg und internationale Gäste.
Der inhaltliche Bogen geht aus von zwei Arbeiten von Jelka Plate, bildende Künstlerin und Bühnenbildnerin. Als Stipendiatin des Fonds Darstellende Künste hat sie oesterfeld04 für die Realisierung zweier Projekte genutzt: Winterschlaf und DisAppearances. Mit ihrer Präsentation wurde die residency im September 2024 offiziell eröffnet. Beide Projekte hinterfragen kritisch die Rolle des Menschen als Krone der Schöpfung, sprechen sich für Entschleunigung aus und für eine Transformation im Sinne neuer Formen der Kooperation zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Wesen. Die Video-Arbeit zum Winterschlaf befindet sich im ersten Stock, in dem Raum, der auch das Habitat für Jelka Plates Winterschlaf im Februar 2024 war. Jelka Plate wurde für ihre Arbeiten mit dem Höge-Preis 2024 der Höge-Stiftung ausgezeichnet.
Ein weiteres, programmatisches Projekt, das im Mai 2025 in oesterfeld04 präsentiert wurde, beschäftigt sich - auf sehr andere Weise - mit dem Thema der Metamorphose und Transformation: This is Not the Final Story war das letzte Projekt der inzwischen verstorbenen Performancekünstlerin Ella Huck, in dem sie sich genre-übergreifend und tabu-brechend mit dem Themen Verlust, Tod und Transformation beschäftigt hat. Ein Beispiel aus ihrer umfangreichen Ausstellung ist die Textilarbeit „Kokon“, die auf dem Fest noch einmal gezeigt wird: zusammen mit ihrer Schwester und der Künstlerin Antoni Knigge hat Ella Huck dafür Lieblingskleidungsstücke von Freundinnen und Freunden handverstrickt.
Erstmals werden in oesterfeld04 2 weitere Videoarbeiten gezeigt: Lene Markusen mit The Farm after the Feminist Ecological Revolution, eine utopische Vision, die ganz real auf ihrer eigenen Erfahrung und ihrem Wissen aufbaut: sie ist auf einem Bauernhof in Dänemark aufgewachsen.
Von dem niederländischen Künstler Daniel Siegersma wird eine partizipative Video-Arbeit präsentiert: Making a Mountain out of a Molehill, in der es um sehr besondere Maulwürfe geht, die Geschichten von dem erzählen können, was sie auffinden, wenn sie einmal beginnen, in die Tiefe zu graben, dort, wo sie leben.
Beide Arbeiten beschäftigen sich künstlerisch sehr konkret mit dem Boden, der Erde, mit dem Leben darauf und darin, in historischen, gegenwärtigen und künftigen Zeiten.
Neben den Videoarbeiten gibt es an zentraler Stelle im ersten Stock einen besonderen Informationstisch zu den Themen Wasser und Land. Wir danken Urte Andresen, die uns ein besonderes Archiv zu Küstenschutz und Deichbau zur Verfügung gestellt hat: das ihres Vaters Friedrich Heddies Andresen, einer der maßgeblichen Architekten des Nationalpark Wattenmeer. Er war in den 80-er Jahren Leiter des Amtes für Wasser- und Landwirtschaft SH und später Direktor des Nationalparks Wattenmeer. Wir erhalten Einblick in seine Unterlagen, können Karten, technische Zeichnungen und anderes Anschauungsmaterial studieren und erfahren darüber Details zu dem Konflikt-Thema Landgewinnung und Deichbau, Küsten- und Naturschutz – aufschlussreiches, historisches Material für etwaige künstlerische Forschung, das eine sehr besondere Perspektive auf existenzielle Themen in der Marsch eröffnet, die mehr denn je aktuell sind.
In den beiden Bodenräumen (Atelier und Eulenboden) gibt es skulpturale Arbeiten zu sehen: der Große und der Kleine Geist, Puppen aus Holz und Textil, gefertigt von dem Puppenbau-Meister Yaya Coulibaly aus Mali. Sie bringen uns in Kontakt mit den Kräften der Geisterwelt und wurden bespielt von Performer*innen der transnationalen Performancegruppe Hajusom in der Produktion Paradise Mastaz (2011). Für dieses Projekt hat Hajsuom mit Yaya Coulibaly zusammengearbeitet und ihn nach Hamburg-Kampnagel eingeladen; die Puppen für die Performance sind in Österfeld im Rahmen eines einwöchigen Workshops entstanden. Yaya Coulibaly war auf der documenta fifteen mit seinen großartigen Figuren und Puppen vertreten.
Auf der kleinen Bühne im Vorraum präsentiert die Performance-Künstlerin Katharina Oberlik zusammen mit der Musikerin Lia aka Anahita Project, eine Puppet-Performance: Mummy Water. Zwei nichtmenschliche Wesen tauschen sich über die Besonderheiten des Elements Wasser aus, über Erfahrungen als Wesen im Wasser und nebenbei über den Zustand dieser Welt. Katharina Oberlik, Mitbegründerin der international agierenden Performance-Gruppe She She Pop, hat in Österfeld über die Pfingsttage 2026 das Art-Camp oesterfeld04 für Frauen geleitet: die Teilnehmerinnen realisieren in verschiedenen performativen Formaten ihre Visionen von sich und der Welt, es entstehen acht side-specific-performances in verschiedenen Räumen im Haus und im Garten; für das Frühjahr ist eine öffentliche Präsentation geplant.
Auf dem Eulenboden, genauer: dem Schleiereulenboden, schwebt die Skulptur Stürzender Engel von Volker März – der Planet brennt, der Engel (des Fortschritts) stürzt – -
Wir danken dem Künstler für die Leihgabe.
Für eine entspannte und verbindende Athmosphäre im Garten sorgen DJ AOL, DJ Eliza und DJ Lorenzo: sie legen im Schuppen-Café Deichblick auf, die Musik bewegt sich überwiegend in Meeresregionen und Himmelszonen in Italien und den Weiten des Kosmos.
Für das leibliche Wohl sorgt ein junges Team befreundeter Feinschmeckerinnen, Künstlerinnen im kulinarischen Garten: Indigo Jenal, Lukas Ghassemimolahajlou und Franziska Weinberger.
Der Verein Marschenprojekte e.V. dankt allen beteiligten Künstler*innen für ihre Beiträge. Sie haben einen starken Start der Vereins-Aktivitäten ermöglicht!